Details & Therapie

Kennst du die Situation auch? Seit drei Jahren erlebe ich...

jemand versucht das Wort Endometriose auszusprechen und schafft gerade noch die ersten Silben danach kommt der Zungenbrecher. Endo...met...Hä? was? Begleitet von einem hilflosen Blick und der Antwort: "das ist ja kompliziert."

Für mein Gegenüber und auch für mich, ist das unangenehm. Ist es doch unmittelbar, ein recht mutiges und intimes Thema. Zugegeben, über Diabetes zu sprechen ist einfacher. 

Um die Situation wieder zu vereinfachen und ein erleichtertes Durchatmen des Gegenübers zu ermöglichen, sage ich im Gespräch mit Frauen gerne so etwas wie: „ich habe da so eine komische "Unterstübchen" Krankheit. Die ist zwar gutartig, aber das ist auch schon das einzig Gute daran. Der Rest ist ein ziemlicher Mist, macht vor allem höllische Schmerzen und sonst noch Sachen die keiner braucht." Wenn mich Männer fragen, reduziere ich meine Antwort auf: "ich habe da so ein Frauen-Thema", je nach Reaktion werde ich dann etwas ausführlicher oder auch nicht. 

Okay, das klingt nicht besonders ermutigend, ist aber in der Kürze der Zeit die ich oft zu Verfügung habe, für mich, die anschaulichste Erklärung meinem Gegenüber verständlich zu machen was los ist. 

Etwas wissenschaftlicher formuliert würde sich meine Erklärung ungefähr so anhören: 

Gewebe das eigentlich in der Gebärmutter (im Endometrium, deshalb auch Endometriose;-) ) sein sollte, ist auf Abwege geraten und findet sich, auch ausserhalb der Gebärmutter wieder, an Stellen im Bauchraum, wo es nicht hingehört. Im monatlichen Zyklus baut es sich auf und wieder ab. In der Gebärmutter kann es abbluten (mit der Regelblutung), aber an den verirrten Stellen im Bauchraum nicht, u.a. deshalb tut es auch weh. Es entzündet sich, macht Zysten und Verwachsungen. Warum das Gewebe auf Abwege geraten kann, warum es überhaupt entsteht, warum diese Gewebe oder Zellhaufen sich anderswo anlagern und warum sie das tun was sie nicht tun sollten? Gene können eine Rolle spielen, Umwelteinflüsse, Stress, Hormone, manche sprechen auch von der Ernährung. Die Wissenschaft hat noch keine eindeutige Erklärung.

www.netzwerk-frauengesundheit.com/endometriose-heilung-ist-immer-moglich-teil-1-erklarungen-zur-entstehung/

Wie merke ich ob ich Endometriose habe? Ich hatte schon sehr lange starke bis sehr starke Regelschmerzen und Beschwerden. Bei normalen Untersuchungen hieß es immer wieder "alles sei in Ordnung".  Deshalb wurden auch keine weiteren Untersuchungen durchgeführt. Die eindeutige Feststellung, kann am ehesten durch einen Blick in den Bauch gemacht werden. Dazu kann der Gynäkologe in einer Operation mit der sogenannten "Schlüssel-Loch-Technik" (minimal invasive Operationstechnik) per Kamera nachsehen was genau los ist. Hierbei kann ein etwas größerer Bauchschnitt vermieden werden. 

Meist sind es aber auch nur Vermutungen, so wie bei mir. Ich hatte eine "Schokoladen-Zyste" (man nennt sie so, weil das alte Blut, das nicht abfließen konnte dort gesammelt ist und sich natürlicherweise verdunkelt) am linken Eierstock, von der ich nichts wusste. Ich habe sie weder gesehen, noch gespürt. Ich hatte sehr starke Regelschmerzen und Blutzucker Schwankungen (das merkst du nur wenn du Diabetes hast). 

Diese Zyste ist von jetzt auf gleich, nachdem ich mit meinen Hunden spazieren war, geplatzt. Ich hatte deshalb eine Not-Operation. Es traf mich völlig unvorbereitet und ich hatte keine Ahnung davon, wie gefährlich so eine Situation ist. Schokolade esse ich gerne, aber so ein Zyste darf bitte für immer weg bleiben. 

Nach der Operation erhielt ich sofort eine künstliche Hormon-Therapie. Damit wollte ich eigentlich nichts zu tun haben, denn ich weiß wie schlecht sich das auf meinen Körper auswirkt, aber meine Angst vor einem "Rückfall" war größer. Erst Mirena normal mit dem Zyklus. Dann die Visanne im Langzeit-Zyklus (so nennt man das, wenn man die Pille immer nimmt, ohne zu pausieren während der Regelbutung). Da ich künstliche Hormone schon immer schlecht vertragen habe (liegt auch an dem Diabetes) konnte ich nach zwei Jahren die Nebenwirkungen nicht mehr aushalten und entschied mich nach kurzzeitigem Versuch, ganz ohne Hormone auszukommen, für eine minimal invasive Gebärmutterentfernung. Darüber bin ich sehr froh! 

Aktuell nehme ich keine Hormone. Ich nehme Schmerzmittel an schlimmen Tagen, diese sind weniger als vorher, aber nicht verflogen und gehe regelmäßig zur Kontrolle.