“Wenn man dir den “Zucker” ansehen würde, wäre manches leichter”
— Freunde

Details & Therapie

Diabetes ist für andere unsichtbar. Das kann gut und das kann schlecht sein. 

Im Alltag ist Diabetes für mich einfach da (ohne ihn in den Mittelpunkt zu stellen) und ich gehe mittlerweile ganz automatisch sehr offen damit um. Das war nicht immer so. Für mich ist es jetzt angenehmer, verstecke ihn und mich nicht mehr. Die positive Reaktion meiner Umwelt zeigt mir, dass ich mit dieser Art auf dem richtigen Weg bin. 

Grundsätzlich wird der Name "Diabetes" als Bezeichnung der Erkrankung des Zuckerstoffwechsels im allgemeinen Sprachgebrauch verwendet, weil die Symptome: z.B. zu hohe Blutzuckerwerte, für alle Diabetesarten gleichermaßen auftreten, die Ursachen dafür sind unterschiedlich. 

Meine Bauchspeicheldrüse hat viele Aufgaben. Am wichtigsten ist, für mich Insulin zu produzieren, damit ich aus den Kohlenhydraten (aus dem Essen oder den körpereigenen Speichern) Energie gewinnen kann. Alle Körperfunktionen brauchen Energie. Das kann sie nun nicht mehr. Irgendwann hat mein Körper, durch einen unbekannten Auslöser - vielleicht eine Erkältung - oder ähnliches, begonnen die Funktion Insulin herzustellen, kaputt gemacht (das nennt man Autoimmunerkrankung). Erst wenn schon circa 80% der Leistung weg ist, tritt der Diabetes Typ 1 auf. Unglaublich! was mein Körper so lange unbemerkt kompensiert hat. 

Meine Anzeichen waren: Sehr häufige Nagelbettentzündung (hatte ich vorher nie), verschommen Sehen, Gewichtsverlust von circa 10 kg, viel Durst & trockener Mund, (Magen) krämpfe in der Nacht und kann mich schlecht konzentrieren;

Wie kommt es zur (Nagelbett) Entzündung? Durch den hohen Blutzucker verändern sich einige Dinge im Körper, der Körper wird geschwächt und kann u.a. Bakterien nicht mehr so gut abwehren. 

Wie kommt es zum schlechten Sehen? Die Durchblutung und Flüssigkeitsversorgung im Auge und an anderen Stellen des Körpers mit kleinsten Blutgefäßen wird schlechter. Das wird wieder besser, wenn sich der Blutzucker wieder einpendelt. 

Wie kommt es zum Gewichtsverlust? Die normalen Stoffwechselvorgänge des Körpers funktionieren nicht mehr. Es liegt es Störung vor. Die Energie kann nicht mehr aus den Kohlenhydraten gewonnen werden. Also greift der Körper Fettmasse und Muskelmasse an um diese in Energie zu verwerten. Beides nimmt dann stetig ab. 

Woher kommt der Durst & trockener Mund? Wassermangel! Bei hohen Blutzuckerkonzentrationen braucht der Körper viiiiel Wasser. Dennoch wird das Blut dicker und eine Menge andere Dinge verschieben sich im Flüssigkeitshaushalt (Apropos... ich sollte mal was trinken) Jede kleinste Flüssigkeitsmenge wird benötigt um das Blut zu verdünnen. Die Niere versucht den überschüssigen Zucker loszuwerden und kurbelt die Ausscheidung von Urin an. 

Wie kommt es zu den Krämpfen? Durch die Veränderung im Flüssigkeitshaushalt verschieben sich auch die Mineralstoffe und Spurenelemente im Körper. Die ausgeglichene Konzentration von Natrium, Kalzium, Kalium, Magnesium gerät in Schieflage. U.a. sinken Kalium und Magnesium stark ab. Das kann Herzrhythmusstörungen und Krämpfe machen. 

(Gut, dass ich jetzt Blutzucker gemessen habe und Wasser trinke, gerade ist der Wert nach dem Essen viel zu hoch mit 325 mg/dl, ups...)


Meine Therapie 

Als Typ 1 Diabetikerin bin ich lebensnotwendig auf Insulin angewiesen. Tabletten sind kein Insulin und nehmen nur Typ 2 Diabetiker. 

Einmal täglich spritze ich ein langwirksames Insulin (Tujeo) mehrfach täglich zum Essen oder zur Korrektur des Blutzuckerspiegels spritze ich ein schnell wirksames Insulin (NovoRapid). X-fach täglich messe ich den Blutzucker mit einem Blutzucker Messgerät. 

Globuli, Bachblüten, Kräutertees, Schüssler-Salze, Kräuter, Ernährung ... sind keine alleinige Therapie für Typ 1 Diabetiker! Sie können unterstützen aber mehr nicht. 


Herausforderungen

Diabetes Typ 1 - Insulin spritzen und die Welt ist in bester Ordnung?

Stop! so einfach ist es nicht! Meine Umwelt erlebt ja nur kleine Lebensausschnitte von mir mit Diabetes. Dazu gehört noch viel mehr als "nur" den Blutzuckerwert zu kontrollieren & Insulin zu spritzen und das Essen anzupassen. In meinem Kopf läuft ständig der "Diabetes-Check". Wie ein Computer Programm das immer im Hintergrund aktiv ist frage ich mich:

wie ich mich fühle? Was ich den Tag über vorhabe, etwas Unvorhergesehenes dazu kommt, ob ich Sport machen möchte, welche Zeit ungefähr im Zyklus ist ob ich heute Insulin (un-) empfindlich bin, was ich gegessen habe, was ich essen möchte, wieviel Uhr es ist, wann ich das letzte Mal Insulin gespritzt habe, wann es wirkt oder warum nicht so wie erhofft, ob es heiß oder kalt ist, ob ich müde bin oder nicht, ob ich aufgeregt bin und und und...entscheide dann wie es weiter geht bzw. wäge ab, was machbar und gut für mich ist bzw. was nicht geht und womit ich mich schlecht fühle. 

Ich erlebe viele Situationen, die nicht alleine durch Insulin spritzen zu bewältigen sind! Vielfältige Faktoren beeinflussen den Blutzuckerspiegel. Manche kann ich direkt regulieren andere nur indirekt. Essen, Stress, Hormone, Alltag, Sport, Schmerzen, Stress, Krankheit, Medikamente, Fitsein, Müdigkeit, Faulsein u.v.m. haben einen Einfluss. 

Sehr häufig nehme ich gezwungenermaßen schlechte Blutzuckerwerte in Kauf, nur um ein möglichst "normales" Leben leben zu können oder weil es gewisse Situationen erfordern, wie z.B. im Arbeitsleben. Das kostet sehr viel Kraft und ist immer eine Gradwanderung zwischen Belastung und Überlastung.

Applaus für dich! wenn du bis hier hin durchgehalten hast zu lesen, hast du einen klitze-kleinen Eindruck gewinnen können, wieviel Zeit und Energie ich als Diabetikerin in mein "Diabetes-Management" stecke.