#19 Herausforderung gute Blutzuckerwerte

Für mich heißt eine "gute" Blutzucker Einstellung folgendes:

Ich fühle mich gut, habe Energie und Lust aktiv zu sein und den Aufwand den ich für mein Diabetes Management betreibe ist erträglich. Dies erreiche ich dann, wenn ich das Gefühl habe "heute läuft es rund" und die Blutzuckerwerte ausbalanciert sind (mit möglichst minimalen Schwankungen) damit meine ich nicht ständig Normwerte zu haben, sondern einfach einen möglichst mittleren - aber stabilen - Blutzuckerspiegel. Dann fühle ich mich am wohlsten. 

Welche Hürden dabei auftreten können beschreibe ich an einem Alltags-Beispiel:

Wenn ich im Falle eines Überzuckers dann nachkorrigiere, d.h. eine entsprechende Insulinmenge zur Korrektur des Blutzuckerspiegels spritze um möglichst einen normalen Blutzuckerwert zu erreichen, hänge ich mit den aktuellen Insulinen immer mindestens 2 bis 4 Stunden hinterher. Unabhängig davon ob ich das Insulin mit dem Pen spritze oder mit der Insulinpumpe abgebe. Denn bis der Blutzuckerwert dann halbwegs im Normbereich angekommen ist, vergehen ggf. Stunden, dann ist der gewünschte Blutzucker nicht mehr um 14.00 Uhr erreicht, da wo ich ihn eigentlich wollte und bräuchte, sondern erst um 16.00/17.00 Uhr. Und es geht noch weiter... um das Ziel eines guten Blutzuckers zu erreichen, darf dann aber auch in der Zwischenzeit nichts Unvorhergesehenes dazwischen kommen.

Theoretisch.

Praktisch? Wenn plötzlich die geplante lange Autofahrt auf die ich mich morgens noch eingestellt hatte wegfällt, weil die Geschäftsreise abgesagt wurde. Das schöne Wetter doch nicht mehr für einen langen Spaziergang hält. Das Abendessen um zwei Stunden nach hinten verschoben wird aus Termingründen. Ich zum OP Beginn einen guten Blutzuckerwert benötige, aber doch länger warten muss. Ich mit den Freunden abends noch tanzen gehen möchte ... Es gibt Alltagsbeispiele noch und nöcher, die nicht so leicht zu handhaben sind. 

Jetzt fragen sich einige vielleicht? Ist doch nicht so schlimm oder? Ich sage doch! 

Denn wie in einem anderen Beitrag schon beschrieben, ist es ja nicht so, dass man sich bei schwankenden Blutzuckerwerten jederzeit zum Bäume ausreißen fühlt. Eher wie Titanic auf hoher See. Und ich bin immer in der Zwickmühle: "Machen oder nicht machen", "was geht was geht nicht", "was passiert wenn". 

Kommt dann der ganz normale Alltags-Wahnsinn dazu, gerate ich als Typ 1 Diabetikerin ganz schön ins Schleudern. Die Freude und Spontanität am Leben, kann unter Umständen sehr leiden, denn nicht immer habe ich Lust, eine chaotische Blutzuckereinstellung in Kauf zu nehmen um dann auch noch an diesem oder jenen Ereignis teilzunehmen. Egal ob beruflich oder privat, es kann anstrengend sein! Ich kann aus meiner Erfahrung sagen, je ruhiger und je geordneter mein Tag verläuft umso besser und umso besser verläuft auch die Nacht und umso entspannter kann ich schlafen.